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Der Rhythmus des Familienalltags – Kinder stützen, wenn die Schule schließt 

WERTE ALS ORIENTIERUNGSHILFE 

Wenn die Schule schließt, fehlt so viel mehr als Unterricht: Kontakte zu Mitschüler*innen, Lehrkräften, Freund*innen, Regelmäßigkeit, Sport und Musik – generell das Miteinander in der Gruppe. Die aktuelle Krise verlangt Familien und Schulen viel ab. Je besser ein Kind zuhause unterstützt werden kann, umso besser kommt es auch mit der aktuell veränderten Schulsituation zurecht. Eine aktuelle Studie des ifo Zentrum für Bildungsökonomik zeigt, dass die veränderte Lernsituation im Lockdown zahlreiche Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche hat – und dass unterschiedliche Voraussetzungen in puncto Bildung auch in der Corona-Krise zum Tragen kommen.   

In Krisenzeiten können wir vor lauter Ungewissheiten manchmal die Orientierung verlieren und Ängste entwickeln. Bestes Beispiel dafür: die Corona-Pandemie. Jeder Tag bringt neue Prognosen, nichts scheint kalkulierbar – wir verlieren unseren Takt. Dabei brauchen wir doch eine gewisse Struktur. Struktur hilft uns dabei, selbstständig zurechtzukommen, frei zu leben und zu entscheiden. Ohne Struktur verlieren wir uns unter Umständen und werden antriebslos. Struktur ist also wichtig für unsere Orientierung – und für die unserer Kinder. Doch Kinder haben Schwierigkeiten damit, sich selbst Strukturen zu geben. Sie brauchen eine Struktur von außen, die ihnen Sicherheit gibt. Werte können eine solche Struktur geben. Deshalb sind Wertevermittlung und das Stärken von Kindern gerade in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie so wichtig. Werte helfen bei der Orientierung, sie dienen als Kompass.  

Die Zahl der Kinder mit psychischen Auffälligkeiten und Krankheiten hat sich während der Pandemie erhöht. Immer mehr Kinder fühlen sich belastet und können mit der Situation schlecht umgehen. Auch manche Erwachsene kommen selbst schwer mit der Situation zurecht, sind gestresst und überfordert. Kinder spüren das. Wenn die von außen gegebenen Strukturen wie der Alltag in Schule und Kindergarten wegfallen, müssen innerhalb der Familie neue Strukturen gefunden werden. Denn nicht nur für Kinder fällt Gewohntes weg: Auch der Arbeitsalltag der Eltern hat sich gewandelt. Home-Office, Homeschooling und Freizeit wollen unter einen Hut gebracht werden, während zahlreiche Angebote, Strukturen und Kontakte weggefallen sind. Angesichts der Herausforderungen zuhause kann die Kommunikation leiden. Nun gilt es, sich mit den Kindern über äußere Ereignisse auseinander zu setzen, ihre Emotionen wahr- und ernst zu nehmen und den Kindern Strukturen zu geben, die ihnen Sicherheit angesichts der Unsicherheit liefern. Und zu vermitteln: Du darfst traurig sein. Du darfst negative Gefühle haben. Ich helfe dir, gemeinsam schaffen wir es. 

In Krisen zeigt sich, wer gut mit Unsicherheiten zurechtkommt und wer nicht. Im besten Fall erwächst aus einer Krise Resilienz – jedoch gelingt das nicht immer von alleine. Stabilität und Orientierung sind wichtige Parameter, um sich einer Krise nicht hilflos ausgeliefert zu fühlen. Resilienz braucht also Unterstützung, um aufrechterhalten oder entwickelt zu werden. Kinder, die gute Werkzeuge haben, mit herausfordernden und manchmal angsteinflößenden Situationen umzugehen, kommen besser durch die Krise. Deshalb sind Werte, die die Selbstsicherheit und Resilienz von Kindern stärken, gerade in diesen Zeiten wichtig. Eltern können dazu beitragen, einen Rahmen zu schaffen, in dem Resilienz gelingen und gedeihen kann.