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Im Interview mit „Deutschland im Plus“

Ein wichtiger Themenbereich unseres Programms ist finanzielle Bildung. Kinder sollen schon in der Grundschule die Grundlagen für einen guten Umgang mit Geld und Konsum lernen, damit sie gut in die Zukunft starten. Dieses Anliegen hat auch die Stiftung „Deutschland im Plus“ in unserer Nachbarstadt Nürnberg. Die Stiftung konzentriert sich dabei auf Bildungsmaßnahmen für Jugendliche. „Deutschland im Plus“ hat uns zum Interview eingeladen und mit uns über unsere Bildungsinitiative, Finanzbildung für Grundschulkinder und unsere weiteren Inhalte gesprochen.

1. WERTvoll macht Schule – Frau Bartl erzählen Sie doch mal, was steckt genau dahinter und wie sieht ihre Arbeit aus?

Wir sind eine gemeinnützige Bildungsinitiative. Wir wollen Kinder in der Grundschule mit lebenspraktischem Wissen stärken. Doch Grundschulen haben bereits ein enormes Pensum zu leisten und das wirkt sich auch auf unsere Kinder aus. Es braucht deshalb Unterstützung, die schnell und effektiv wirkt. Indem wir Schulen unsere Inhalte in Form von ausgearbeiteten Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellen, schaffen wir Entlastung im Unterrichtsalltag. So können sich Lehrkräfte besser auf die Kinder konzentrieren. Unsere Inhalte sind digital leicht erreichbar und sie sind bedarfsgerecht ausgestaltet. Mit der Plattform www.unterrichtsmaterial.digital und in unserer App WERTvoll steht unser Material kostenlos und allzeit bereit.

2. Ähnlich wie die Stiftung Deutschland im Plus setzen Sie sich ja für die finanzielle Bildung von Schülern ein. Sie setzen bereits bei Grundschülern an. Warum ist das so wichtig?

Ja, wir konzentrieren uns auf die Grundschule aus gutem Grund: Im Alter von 6 bis 12 Jahren entwickeln Kinder die Basis für vieles. Überlegen sie mal, wann haben sie wichtige Dinge fürs Leben gelernt: z.B. was ist mir wichtig und wie setze ich Prioritäten? Wie gehe ich gut mit Geld um? Wie und wo erhalte ich Informationen, um für mich die beste Entscheidung treffen zu können?

Sie werden feststellen, gerade die grundlegenden Dinge lernen wir meist erst recht spät oder gar nicht, oft durch Learning-by-Doing und indem wir Fehler machen. Doch es gibt Fallstricke und Fehler, – wie sich hoffnungslos zu verschulden – die man besser ganz vermeidet sollte. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns bestimmte Fähigkeiten einfach von Anfang an aneignen.

Die Vermittlung solcher lebenspraktischen Kompetenzen wird jedoch häufig vernachlässigt. Man sollte nun aber nicht den Fehler machen und allein Schulen dafür verantwortlich machen. Wir laden gerne alle Aufgaben bei der Schule ab und machen uns kaum Gedanken darüber, was Lehrerinnen und Lehrer täglich leisten: Neue Vorgaben, neue Bildungstrends – man denke nur an die Digitalisierung oder an Inklusion – müssen umgesetzt werden. Zudem sind die Klassen oft so groß und heterogen zusammengesetzt, dass ein gutes Miteinander erst einmal erlernt werden muss. Und ganz neben bei sollen unsere Kinder auch noch aufblühen. Kein Wunder, dass Schulen teilweise am Limit arbeiten. Der Lehrermangel und eine unzureichende Ausstattung an den Schulen helfen da nicht. Wenn wir Kinder unterstützen wollen, ist es also ganz wichtig, dort anzusetzen, wo Bedarf herrscht. Lehrkräfte mit unserem Unterrichtsprogramm zu entlasten, ist hierbei ein ganz wichtiger Punkt für uns. Wir machen ein Angebot, das jede Menge Inhalte transportiert und gleichzeitig den Arbeitsaufwand für Lehrerinnen und Lehrer reduziert. Das sehen wir als unsere Aufgabe!

3. Finanzkompetenzen sind ein Thema, das Sie in Ihren Materialien behandeln. Um was geht es noch?

Neben den Inhalten der Finanzbildung spielen Wertekompetenzen eine ganz wichtige Rolle. Wie gesagt, in der Grundschule wird die Basis gelegt. Am Anfang stehen die Persönlichkeitsentwicklung und soziale integrative Aspekte des Zusammenlebens. Dazu gehört es, z.B. das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken und einen respektvollen und offenen Umgang mit anderen zu pflegen, greifen wir auf. Hierauf können wir dann aufbauen und weiterführende Inhalte behandeln, wie ein verantwortungsbewusstes Konsumverhalten, Medienkompetenzen oder Nachhaltigkeit.

4. Ist Ihr Bildungsprogramm kostenlos?

Ja, wir sind für Schulen und Eltern kostenlos. Denn wir möchten, dass alle Kinder von unserem Unterrichtsprogramm profitieren können. Wir finanzieren uns rein durch Spenden und sind immer für Förderungen offen.

5. Bei Ihnen werden auch die Eltern mit eingebunden? Wie läuft das konkret ab?

Eltern sind für einen langanhaltenden Lernerfolg der Kinder wichtig. Das Lernen in der Schule reicht nicht aus. Das neue Wissen muss im Alltag auch ganz praktisch angewendet werden. Unsere App WERTvoll soll Eltern dabei helfen, die Umsetzung zu Hause zu erleichtern. Wir stellen also nützliche Tipps und Informationen zu all unseren Inhalten bereit, die von der Taschengeldvergabe, nachhaltiges Einkaufen mit Kindern bis hin zu den Grundlagen der Werteerziehung reichen. Zusätzlich geben wir Elternabende direkt vor Ort und arbeiten mit lokalen Behörden und Organisationen zusammen.

6. Was verfolgen Sie aktuell für Ziele? Auch für sich als Bildungsinitiative?

Grundsätzlich haben wir natürlich das Ziel, dass unser Unterrichtsprogramm sich an Grundschulen in Deutschland weiter etabliert, damit viele Kinder von den Inhalten profitieren können.

Ganz aktuell streben wir an, dem Bereich „Nachhaltigkeit“ im Schulunterricht mehr Raum zu geben. Wir möchten unser Unterrichtsprogramm deshalb um diesen Bereich erweitern. Vom gesunden Pausenbrot mit regionalen Produkten, Plastikmüll in den Ozeanen bis hin zu den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sollen Kinder mehr über unsere Welt erfahren und ein achtsames und ressourcenschonendes Verhalten erlernen. Hierzu planen wir die Entwicklung von ca. 18 Unterrichtseinheiten im Themenbereich „Nachhaltigkeit“ für den Unterricht an Grundschulen. Die Unterrichtseinheiten orientieren sich an den UN-Nachhaltigkeitszielen. Die Inhalte sind so abgestimmt, dass sie einerseits allgemeine Informationen zu den einzelnen Themenkomplexen bereitstellen und andererseits den Bezug zum Alltag der Kinder herstellen. Kinder sollen ihre Handlungsmöglichkeiten kennenlernen und erkennen, dass sie Einfluss darauf haben, wie unsere Welt aussehen soll.

7. Wie kommt das Programm bei den Schülern und Lehrern an?

Hervorragend! – Die Schülerinnen und Schüler haben Freude am Lernen, weil sie die Welt selbstständig erforschen können und auch über sich selbst mehr lernen können. Der Effekt ist direkt spürbar und zeigt sich z.B. an einem besseren Klassenklima. Lehrerinnen und Lehrer nehmen unser Programm sehr gut an und sind oftmals überrascht, wie unkompliziert die Anwendung ist. Aber das war auch klar unser Ziel: Ein einfaches, geprüftes Konzept zu liefern, das hilft, akzeptiert wird und einfach zu bekommen ist.

Übrigens, weil wir immer wieder gefragt werden: Wir bieten Unterrichtsmaterialien für Schulen an, die von der ersten bis zur sechsten Klasse reichen. Da wir bundesweit arbeiten, werden so auch die Bundesländer berücksichtigt, die die Grundschule bis zur sechsten Klasse führen.

8. Jedes Kind, das an Ihrem Programm teilnimmt, bekommt ein Sparschwein. Was steckt genau dahinter? Und wie wird das von den Kindern aufgenommen?

Das ist so nicht ganz richtig. Tatsächlich basteln die Kinder mittlerweile ihre eigene Upcycling-Spardose. So wird aus einer alten Verpackung schnell mal eine echte Schatztruhe für Wünsche, gute Taten, Zeitgeschenke und vieles mehr.

9. Wie ist die Idee „WERTvoll macht Schule“ entstanden?

Im Jahr 2011 haben wir in München mit reiner Finanzbildung begonnen. Dies ist im Rahmen der Teilnahme am Modellversuch für ökonomische Verbraucherbildung des bayerischen Kultusministeriums entstanden. In dieser Zeit konnten wir viele Erfahrungen durch die intensive Zusammenarbeit mit den Schulen und die Gespräche mit Lehrerinnen und Lehrern sammeln. Schnell merkten wir, dass es mehr braucht als Taschengeld sparen und ausgeben. So haben wir uns weiterentwickelt und ein Konzept erstellt, dass ganzheitlich angelegt ist und flächendeckend funktioniert.

10. Was war das schönste Erlebnis, was Sie mit Grundschülern erleben durften?

Ich liebe unsere Herzenswusch-Stunde. Wenn die Kinder in der Klassengemeinschaft ihren eigenen Herzenswunsch gemeinsam herausfinden, geht das oft ans Herz. Es ist wunderbar zu erleben, wie unvoreingenommen und mutig Kinder sind. Unsere Aufgabe ist es, Kindern einen geschützten Rahmen zu bieten, damit sie sich frei artikulieren können. So entstehen Geschichten, die die Gemeinschaft zusammenschweißen. Es ist eine Stunde, bei der Kinder ganz viel über sich selbst und ihre Klassenkameraden lernen können. Solche Erlebnisse ermutigen mein Team und mich jeden Tag aufs Neue.

11. Was Sie immer schon mal los werden wollten…

Unsere Kinder gehen uns alle an! Wenn wir wollen, dass Kinder glücklich aufwachsen und gut ausgebildet werden, fordert dies gesellschaftliches Engagement.