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Das muss ich haben! – Statussymbole und Selbstwert bei Kindern

“Das muss ich unbedingt haben! Meine Freunde haben auch alle eines.” Früher oder später haben die meisten Eltern das schon einmal von ihren Kindern gehört – Sie sicher auch! Diese Sehnsucht nach dem neuesten Smartphone, den tollsten Sneakern oder der schönsten Barbie (natürlich mit dem dazugehörigen Haus und der Extra-Ausstattung!): Früher oder später wird jedes Kind damit konfrontiert. Denn die anderen bekommen es schließlich auch, oder? Der Vergleich durch Statussymbole, die beinahe überlebenswichtig scheinen, ist nicht erst ein Merkmal des Erwachsenwerdens. Schon Kindern kennen Statussymbole.  

Im Trend liegen

Auch wenn sich die Objekte der Begierde mit dem Alter verändern, so sind Kinder doch keineswegs davor gefeit, gängige Statussymbole zu erkennen und ihren Besitz anzustreben. Dahinter steht das menschliche Bedürfnis nach Anerkennung. Kinder wollen von ihrem Umfeld, von Freund:innen und Schulkamerad:innen akzeptiert werden. Statussymbole sind in der heutigen Konsumgesellschaft ein allgemein akzeptiertes Hilfsmittel, um Anerkennung zu erhalten. Mit Trends und Marken zeigt man anderen, dass man dazugehört: Denn nichts wäre schlimmer als Ausgrenzung, oder? Doch Statussymbole haben ein Verfallsdatum. Weil es sich bei ihnen heutzutage hauptsächlich um materielle Güter handelt, kann der Trend von heute morgen schon vorbei sein. Und so etabliert sich schnell ein Wettlauf, denn kein Trend, keine Mode hält sich besonders lange. Nachdem die Spielwaren-Kollektion vervollständigt ist, folgen Spielekonsole, Handy, neueste Rucksäcke und Kleidung, und alle werden in der nächsten Saison von einem neuen Modell abgelöst. Das wiederum ist von den Herstellern gewollt, denn so werden aus Käufer:innen dauerhafte Kund:innen. Und: Den Kreislauf der ständig neuen Konsumbedürfnisse zu durchbrechen fällt selbst Erwachsenen schwer – obwohl sie die Mechanismen häufig kennen! 

Statussymbole und Konsum

Die Fokussierung auf Statussymbole kann schnell negative Auswirkungen haben. Zum einen sind besonders Familien mit geringeren finanziellen Mitteln betroffen. Denn um mithalten zu können, braucht man Geld! Schnell fühlt ein Kind sich abgehängt, wenn die Eltern nicht die teuren Sneakers bezahlen können oder wollen, die der/die Klassenkamerad:in hat. Wer sich jeden Traum erfüllen und jedem Trend folgen will, läuft Gefahr, über die eigenen Verhältnisse zu leben. Zum anderen wird mit dem Erwerb von Statussymbolen häufig kompensiert, was durch Konsum nur kurzfristig zu erlangen ist: ein Upgrade auf den eigenen Selbstwert. Statussymbole vermitteln nicht nur anderen, dass man wertvoll ist, sie bekräftigen diesen Wert auch für das eigene Ich. Dies betonen besonders Studien zu Armutsfolgen bei Kindern (Claudia Laubstein, Gerda Holz, Nadine Seddig: ”Armutsfolgen für Kinder und Jugendliche – Erkenntnisse aus empirischen Studien in Deutschland”; 2016): So stifte Konsum Teilhabe sowie subjektiven Lebenssinn und würde Familien und damit auch Kinder dazu dienen, den eigenen Status zu demonstrieren und Selbstwert zu schöpfen. Werbung fördert ein reges Konsumverhalten und suggeriert den Konsument:innen – also auch Kindern – was neu, angesagt, noch besser und schöner ist. Doch nicht nur das – Werbung transportiert auch Werte unserer Gesellschaft. Sie zeigt uns, was es scheinbar braucht, um glücklich, zufrieden und erfolgreich zu sein. Und so können schon Frühstückscerealien Erstaunliches bewirken.  

Kinder unter Druck

Zwar sind Kinder in Armut ungleich schwerer betroffen, doch Wohlstand bewahrt nicht davor, die Welt nach Besitz, Aussehen und Ansehen zu bewerten und sich selbst danach bewerten zu lassen. Für Kinder kann dies einen enormen Druck bedeuten, der im Extremfall bis zum Mobbing geht. Ebenso kann es für Eltern zur Belastung werden, ständig hin und her gerissen zu sein: Da ist einerseits der Wunsch, das Kind zu unterstützen und seine Wünsche zu erfüllen. Und andererseits die Frage, ob man jedem Begehren und Kaufwunsch sofort nachgeben muss – oder das überhaupt kann!  

Bewusst handeln

Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Zwar haben Statussymbole einen festen Platz in unserer Gesellschaft, aber Kinder können lernen, damit umzugehen. Das gesamte Umfeld eines Kindes kann dabei unterstützend wirken. Erwachsene, insbesondere Eltern, fungieren als Vorbilder, deren Handeln, Weltanschauungen und eigene Wünsche von Kindern wahrgenommen, interpretiert und übernommen werden. Neben den Dingen, die Kinder aktiv lernen, geschieht diese Wahrnehmung meist unbewusst.  

Kinder brauchen die Möglichkeit, sich intensiv mit ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Dazu gehört, dass sie diese genauer zu bestimmen und auch zu hinterfragen lernen. So lassen sich Motive und Auslöser identifizieren, die zur Entstehung eines Wunsches führen. Denn hinter Konsumwünschen steckt nicht selten das Bedürfnis nach Anerkennung oder Zuneigung. Nebenbei erfahren Kinder so, was der Unterschied zwischen Grundbedürfnissen wie Liebe, Geborgenheit und Gesundheit und Konsumwünschen ist.  

Bedürfnisse hinter dem Konsum

Warum wünsche ich mir dieses Produkt? Was steckt hinter meinem Wunsch? Wie macht Werbung mir das Produkt schmackhaft? Und kann und will ich mir dieses Produkt überhaupt leisten? Um ein reflektiertes und selbstbestimmtes Konsumverhalten bei Kindern anzuregen, können Sie sie in vielerlei Hinsicht unterstützen – auch zuhause! So ist es wichtig, Kinder über Strategien und Taktiken von Werbung aufzuklären. Grundkompetenzen rund um einen klugen und verantwortungsvollen Umgang mit Geld helfen Kindern außerdem, die Preise für besonders “gehypte” Produkte einzuschätzen. Ein weiterer, noch bedeutenderer Aspekt ist es, dass Kinder im Alltag erfahren und erleben, dass ihr eigener Wert und die Wertschätzung anderer nicht von Besitz abhängig ist. Dazu gehört ein guter Umgang miteinander, der auf Respekt, Toleranz und Empathie basiert. Situationen, in denen sozialer Druck und Konflikte für Kinder entstehen, müssen aufgegriffen und mögliche Lösungsstrategien entwickelt werden. Hier können Eltern aktiv Situationen benennen, die ihnen aufgefallen sind und mit ihrem Kind besprechen, wie es sich in der Situation gefühlt hat. Ebenso sollten Fähigkeiten und Talente von Kindern hervorgehoben und gefördert werden, die den Fokus von Äußerlichkeiten abwenden. Dies kann in der Schule und zu Hause im Alltag gleichermaßen geschehen.  

Durch das Umfeld lernen: Vorbild sein

Erwachsene können den Lernprozess der Kinder positiv anregen und begleiten, indem sie ihre eigenen Bedürfnisse und Verhaltensmuster, gerade in Bezug auf Konsum, ergründen und reflektieren. Die Sensibilisierung für die Problematik und ein Umdenken in der Bewertung von Statussymbolen erzielen Eltern am besten dadurch, dass sie zuerst bei sich selbst genauer hinsehen und sich klarmachen: Welche Werte wollen wir an die nächste Generation weitergeben? Im Alltag miteinander erfahren Kinder so ganz automatisch, welche Werte für ihre Eltern zählen – und dass ihr eigener Wert nicht von Statussymbolen abhängt.