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Statussymbole – Oder die Suche nach Anerkennung

Mein Haus, mein Auto, mein Boot! – so kokett wurde vor ein paar Jahren in einem TV-Spot für Geldanlagen geworben. Die Werbung verpackte mit charmantem Witz ein Gefühl, das wohl vielen bekannt vorkommt, auch wenn es nicht unbedingt die eigene Yacht sein muss: das Bedürfnis, etwas vorweisen zu können, etwas erreicht zu haben, jemand zu sein, schlummert wohl in jedem von uns. Doch was bedeutet das eigentlich? Und wieso legen wir in unserer Gesellschaft Wert auf Statussymbole?

Statussymbole und Gesellschaft
Die „Gesellschaft“ ist nicht einfach eine chaotische Masse, sondern sie ist durch viele Regeln, Kategorien und Klassifizierungen geprägt – sozusagen die „Schubladen“ unserer Gesellschaft. Auf diese ist Gesellschaft auch durchaus angewiesen, denn in der Interaktion mit anderen Menschen brauchen wir einen Orientierungsrahmen. So gibt es bestimmte Muster, wie wir uns in einer Gruppe verhalten, wie wir unsere Ausdrucksweise, unser Benehmen oder Aussehen gestalten. Allein schon Sprache erlaubt Rückschlüsse auf die Herkunft oder das Bildungsniveau eines Menschen.

Die Wertigkeit von Merkmalen
Wie in einer Gesellschaft bestimmte Merkmale, etwa Bildung, bewertet werden und welche als erstrebenswert gelten, ist abhängig von den Werten, die eine Gesellschaft prägen. Diese Merkmale oder auch Statuskriterien reichen von Alter, Geschlecht, Herkunft bis zu Bildung, Beruf, Besitz, Macht oder auch persönlichen Eigenschaften. Sehen wir bei Menschen, die
älter sind, einen größeren Erfahrungsschatz und Wissen, die mehr Achtung verdienen? Ist ein Doktortitel respektabler als ein Hauptschulabschluss? Genießt ein Arzt mehr Ansehen als ein Busfahrer, der Kinder sicher von der Schule nach Hause bringt? Wie bewerten wir die Kleidung eines Menschen? Ist die glamouröse Birkin Bag wertvoller als die Jutetasche des Ökoladens um die Ecke?

Gesellschaft misst jedem dieser Merkmale einen Wert zu. Dieser Wert steht durchaus nicht fest, er kann sich im Laufe der Zeit verändern oder regional unterscheiden. Nehmen wir beispielsweise die Figur einer Frau. Üppige Rundungen galten für Rubens als Schönheitsideal und Ausdruck von Reichtum. Mit einer sich verändernden Gesellschaft veränderte sich auch dies im Lauf der Zeit und die Rubensfigur wurde durch eine Size Zero-Figur abgelöst. Dagegen gilt in Mauretanien auch heute weibliche Körperfülle als Statussymbol. Je nachdem, in welchem sozialen Kontext wir uns also befinden, gelten unterschiedliche Sets von Statuskriterien.

Die Rolle der Gruppe
Der soziale Kontext oder eben die Gruppe ist dabei ein entscheidendes Element. Denn erst im Miteinander entfalten diese Merkmale ihre volle Wirkung. Einschätzung und Bewertung im Kollektiv setzen den Maßstab dafür, was Anerkennung verdient und wichtig ist. Wären wir alleine auf dieser Welt, wäre es dagegen völlig unerheblich, ob wir reich, gebildet, mächtig wären oder „aus gutem Hause“ kämen. Erst im Vergleich mit anderen gibt es auch ein besser und schlechter. Nur in der Gruppe entsteht eine Hierarchie, in der jeder Einzelne eine bestimmte Position einnimmt. Andere erwarten von jemandem mit diesem bestimmten Status auch ein bestimmtes Verhalten.

Der Arzt und der Busfahrer 
Kehren wir also zu dem Arzt und dem Busfahrer als Beispiele zurück: Von einem Arzt erwarten wir eine eloquente Ausdrucksweise, gute Allgemeinbildung und exzellentes Fachwissen. Zudem stellen wir uns einen Arzt, wenn er nicht gerade seinen weißen Kittel trägt, wohl in einem feinen Anzug mit den passenden italienischen Schuhen und der entsprechenden Uhr vor. Dies lässt sich weiter ausdehnen auf ein schnelles, teures Auto, das Bild einer vorzeigbaren Familie im gepflegten Eigenheim oder den Luxusurlaub in einem exotischen Paradies. Dem Busfahrer dagegen sprechen wir wahrscheinlich weniger Bildung zu, eine bodenständigere Art zu sprechen und sich zu kleiden, weniger finanzielle Mittel und ein geringeres berufliches Ansehen. Außerdem sehen wir den Busfahrer vielleicht eher in einer gemütlichen Wohnung oder in der Kleingarten-Kolonie beim Grillen. Sehr überspitzt sollen diese beiden Beispiele zeigen, welche Erwartungen mit einem bestimmten Status verbunden sein können. Und diese Erwartungen wollen erfüllt, die gesellschaftliche Rolle ausgefüllt werden.

Die Funktion von Statussymbolen
Warum streben Menschen überhaupt danach, eine bestimmte Rolle auszufüllen, ihr zu entsprechen? Ganz einfach: Dahinter steht das natürliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Anerkennung. Der Soziologe William I. Thomas beispielsweise zählt die Anerkennung zu den grundlegenden Wünschen jedes Menschen. So ist es nachvollziehbar, dass wir uns diesen Wunsch zu erfüllen versuchen, indem wir den Erwartungen an unsere Rolle entsprechen. Statussymbole haben hier eine wichtige Funktion. Das schnelle Auto, das große Haus oder der Doktortitel haben symbolische Wirkung. Mit ihrer Hilfe demonstrieren wir, welchen Status wir in einer Gesellschaft einnehmen. So wird es für andere leichter, uns zu bewerten und einzuschätzen. Doch im Vergleich mit anderen haben sie noch eine weitere Funktion: Sie spiegeln nämlich nicht nur wider, welchen Status wir innehaben, sondern auch, welchen wir gerne hätten – zu welcher Gruppe wir gerne gehören oder in welchen Kreisen wir gerne verkehren würden. Menschen sind bestrebt, sich nach außen möglichst gut darzustellen, denn wer möchte schon gerne das Schlusslicht sein? Und so schmücken wir uns mit den Statussymbolen, die in unserer Gesellschaft als besonders wertvoll gelten. Anders formuliert: Wir erhoffen uns davon hohes Ansehen. Manchmal bedeutet dies, dass wir unser letztes Geld zusammenkratzen, um vor der Tür den schönen Wagen stehen zu haben oder auch nur das neueste Handy zu besitzen. Die Belohnung ist die Anerkennung und Wertschätzung durch das Umfeld, dem wir uns als erfolgreicher, glücklicher oder zumindest ebenbürtig darstellen.